Hermann Keller mit Etappensieg und grünem Trikot in Burkina Faso

Die 31. Austragung der Tour de Faso – ein 2.1 UCI Rennen – fand vom 26. Oktober bis 4. November 2018 statt. Eine Rundfahrt über zehn Etappen mit insgesamt 1.300 km quer durch Burkina Faso, einem der ärmsten Länder in Afrika und in der Welt. Die Tour beinhaltete ebenfalls einen Abstecher nach Ghana. Eine richtige Vorstellung wie es wohl sein würde, dort Rennen zu fahren hatte Hermann Keller nicht. Dennoch entschied sich der für die Rad-Union Wangen fahrende Schomburger mit seinem Team „Embrace the World“ dieses Unterfangen in Angriff zu nehmen. Als mobile Moskitonetze, genügend Insektenspray und Sonnencreme gekauft waren ging es über Äthopien los nach Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos.

Dies war auch der erste Startort. Gestartet wurden die Etappen sehr früh, da es um 8.00 Uhr morgens „nur“ 32 Grad hatte. Gerade die ersten Etappen waren für die Deutschen, Belgier und Holländer aufgrund des ungewohnten Klimas sehr kräftezehrend. Kellers Team zog sich jedoch beachtlich aus der Affäre und verbuchte gleich zu Beginn zwei 2. Etappenplätze, einer davon eingefahren durch Hermann Keller selbst durch den Sieg im Sprint des Verfolgerfeldes auf der zweiten Etappe. Im Ziel war dies jedoch erst einmal nebensächlich, da bei über 40 Grad Celsius der größere Erfolg war, sich einen Platz im Schatten zu sicheren.



Im Laufe der
Rundfahrt konnten die deutschen Fahrer um Keller immer wieder Akzente setzen
durch Siege bei Zwischensprints und vorderen Etappenplatzierungen. So sicherte
sich der Unionsfahrer auf der fünften Etappe im Sprint nochmals einen 2. Platz,
was die Lust auf einen Sieg fürs Team noch größer machte. „Wenn du dreimal
Zweiter wirst, dann ist klar, dass man mit etwas mehr Glück gewinnen
kann,“ so die Einschätzung des Schomburgers nach der 5. Etappe. Auch im
Mannschaftszeitfahren belegte die Equipe aus Deutschland um Keller Platz zwei,
nachdem sie nur zu fünft starten durften, da ein Teamkollge seine
Radbe-kleidung im Bus vergessen hatte.

Einen erneuten 2. Platz, inzwischen der vierte, konnte Hermann Keller auf der 7. Etappe ersprinten. „Eigentlich wäre noch mehr drin gewesen, doch leider gab es ein paar Abstimmungsschwierigkeiten und ein Teamkollege fuhr ihm im Sprint direkt vors Rad. „Wenn man den Sprint einmal unterbrechen muss ist es sehr schwer, nochmals Fahrt aufzunehmen“, zeigte sich Keller kritisch. Am 8. Tag sollte dann endlich der Befreiungsschlag gelingen. Nach idealer Vorarbeit des Teams feierte der Sprinter aus Wangen seinen ersten UCI Tagessieg auf der 176 km langen Königsetappe der Tour de Faso. Die UCI ist der Weltverband für den Rad-sport. Die Freude im Team war groß, denn durch den Sieg konnte auch der Vorsprung in der zuvor übernommen Sprintwertung ausgebaut werden.

Die letzten beiden
Etappen wurden zu großen Teilen von Ausreissergruppen bestimmt, die Kellers
Team jeweils zu besetzten wusste. Auf der letzten Etappe wurden die
Fluchtgruppen jedoch kurz vor Schluss auf der sechs Mal zu befahrenden
Zielrunde in Ouagadougou gestellt. So kam es vor mehreren tausend Zuschauern an
der Zielgeraden nochmals zum Massensprint in dem sich Hermann Keller abermals
knapp geschlagen geben musste und so seinen fünften 2. Etappenplatz einfuhr.
Dadurch behauptete er seine Führung in der Wertung des besten Sprinters und
gewann somit souverän dieses Wertungstrikot.

„Es war eine
unglaubliche Erfahrung in diesem armen Land Rennen zu fahren. „Solche
Zuschauermassen habe ich bisher noch nie erlebt. Nach der Zielankunft kamen
Menschen auf einen zugeströmt als würde man Süßigkeiten verteilen. Als wir dann
wirklich noch unser mitgebrachtes Spendenmaterial in Form von Radbekleidung ,
Verschleißteilen und vom Preisgeld gekauften Schulbücher verteilt haben, waren
sie völlig aus dem Häuschen. Doch nicht nur das Radrennen an sich, sondern auch
die Menschen hier sind bewundernswert. Die Freude und Offenheit, die sie mit
sich und nach außen tragen, obwohl sie selbst nicht viel haben ist einfach
schön. Diese ganzen Eindrücke gilt es jetzt für Hermann Keller mit nach Hause
zu nehmen und sich eine Scheibe davon abzuschneiden. Alles in allem also
eine  sehr schöne Zeit, die mit top
Platzierungen und meinem ersten UCI Sieg abgerundet wurde,“ gab Hermann
Keller fasziniert zu Protokoll.